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„MITTEN DRIN“ – EIN INTERVIEW



 

 

Gelassenheit und Vertrauen – zwei Haltungen, die Martina und Theo K. für sich entdeckt haben in der Zeit der Pubertät ihrer Kinder. Welche Herausforderungen, aber auch welche Schätze sie noch kennen lernen durften, erzählen sie uns in diesem Interview.

 

 

Liebe Martina, lieber Theo, Eure Söhne sind 17, 15 und 14 Jahre alt. Ihr seid also "mitten drin" im Thema Pubertät. Woran habt ihr gemerkt, dass in der Entwicklung eurer Kinder eine besondere Zeit beginnt?

 

Theo:

Da fällt mir zuerst ein, dass wir die Herrschaft über unseren Terminkalender verloren haben. Unsere Festlegungen wurden in Frage gestellt und durch eigene Freizeitplanungen ergänzt oder umgeworfen.

 

Was waren in eurer Familie Themen und Ereignisse, die eine besondere Auseinandersetzung von euch erforderten?

 

Martina:

Da ging es erst einmal um Fragen, wer darf wann wie lange mit wem wohin? Kino, Oktoberfest, Feten waren immer ein Anlass dafür. Im Gegensatz zu früher kennen wir die Freunde unserer Kinder und deren Eltern oft nicht. Wir mussten Entscheidungen treffen, ob unsere Kinder dort übernachten können und eventuell bis zum Morgengrauen auf bleiben. Wir mussten und müssen uns noch immer mit stärkeren Provokationen auseinander setzen und schwer annehmbares oder inakzeptables Verhalten aushalten. Dabei gibt es durchaus auch Situationen, denen wir hilflos gegenüber stehen.

 

Theo:

Unsere Söhne fordern uns zudem ständig heraus, unser eigenes Verhalten zu überprüfen. Stimmen unsere Worte mit unseren Taten überein? "Papa, wieso fliegst du zu dem Termin, wenn es auch mit der Bahn machbar wäre?" Da sind wir heraus gefordert, an uns selbst zu arbeiten.

 

Das führt sicher immer wieder an die eigenen Grenzen. Wie geht ihr damit um?

 

Theo:

Wir kennen Gebrüll und polemische Bemerkungen. Und handeln oft anders, als wir gerne würden. Mit etwas Abstand suchen wir dann das Gespräch mit unseren Kindern, wenn eine Situation arg eskaliert ist. Manchmal hilft auch das klärende Gespräch mit Dritten und unbeteiligten Personen.

 

Martina:

Unsere Grenzerfahrung ist auch: wir können aus unserer Haut nicht raus und handeln nach vorgegebenen Mustern. Wir lernen aber auch, uns in unseren Grenzen und mit unseren Unfähigkeiten anzunehmen. Wir müssen nicht perfekt sein. Nicht nur die Kinder haben das Recht, mal ganz daneben zu liegen.

 

Theo:

Wir können unsere Grenzen "nach oben" abgeben: Gottesmutter, jetzt musst du als Erzieherin helfen!

 

Rituale, familiäre Vereinbarungen oder feste Gewohnheiten können Jugendlichen und ihren Eltern in nicht so einfachen Zeiten einen guten Rahmen bieten. Was hilft euch und euren Kindern?

 

Martina:

Wir genießen vor allem die gemeinsamen Mahlzeiten, zum Beispiel das Sonntagsfrühstück. Auch der gemeinsame Gottesdienstbesuch tut gut. Wir genießen dies sehr und sind dankbar dafür, dass er möglich ist.

 

Theo:

Wir haben nur einen PC mit Internetzugang, nur ein Telefon und einen Fernseher. Unsere Kinder sind gezwungen, sich abzusprechen und diese Zeiten einzuhalten. Der Rückzug aus der Familie ins eigene Zimmer ist für jeden möglich, aber um diese Dinge zu nutzen ist eine Abstimmung mit den anderen Familienmitgliedern notwendig. Dies führt natürlich häufig zu Konflikten und Streitigkeiten. Aber dadurch hält sich bei uns dieser Rückzug in Grenzen und es ergeben sich so manche Gelegenheiten für ein Gespräch.

 

Welche Haltungen erlebt ihr als hilfreich?

 

Martina:

Gelassenheit und Vertrauen. Unsere Kinder haben eine gewisse innere Unabhängigkeit und Selbständigkeit erreicht. Wir vertrauen darauf, dass sie die Werte, die uns wichtig sind, zu einem bestimmten Grad verinnerlicht haben. Ich muss allerdings gestehen, dass ich mich um diese Haltung immer wieder aufs Neue bemühen muss und mir es zeitweise sehr schwer fällt, gelassen zu bleiben und das Vertrauen in die Kinder wirklich zu haben. Für uns ist es auch wichtig, dass wir nicht die Diener unserer Kinder sind. Jeder hat seinen Teil in der Familie zu leisten. Das erfordert manchmal viel Kraft, aufgetragene Arbeit einzufordern, aber verhilft zu Respekt.

 

Die Pubertät wird oft als eine sehr anstrengende Zeit beschrieben. Was könnt ihr daran genießen, und was ist das Schöne in diesem Lebensabschnitt?

 

Martina:

Unsere Jungs sitzen sonntags oft länger am Mittagstisch als zum Essen nötig ist und reden und diskutieren gerne mit. Wir können uns gemeinsam mit ihnen mit gesellschaftlichen, politischen und kirchlichen Themen auseinandersetzen. Dadurch erfahren wir, wie die Jugend heute "tickt". Auch tragen sie neue Themen- und Interessenfelder in die Familie hinein. Das bereichert uns.

 

Theo:

Wir sehen und erleben gerne, wie unsere Kinder ihren eigenen Stil entwickeln, neue Fähigkeiten lernen und ihre Interessen zeigen. Auch gut angebrachte Kritik ist hilfreich. Besonders schön ist auch, dass im vergangenen Jahr eine mehrtägige Radltour möglich war. Und als die Jungs mir zum Geburtstag eine gemeinsame Paddeltour geschenkt haben, war das ein echtes Highlight!

 

  



Inhalt
WO DER ALMRAUSCH BLÜHT
VORSICHT GESPRÄCH!
WAS HÄLT UNSERE EHE ZUSAMMEN?
WIEDER MAL BEZIEHUNGSSTRESS?
DICH NEU ENTDECKEN
NICHTS KANN UNS STOPPEN
„MITTEN DRIN“ – EIN INTERVIEW
DER SCHMALE WEG ZUR INNEREN FREIHEIT
„... DASS SIE SICH NICHT SO ALLEIN GELASSEN FÜHLT“
PERSÖNLICHE BEGLEITUNG
DER ERSTE FREUND
IN FREIHEIT SPRINGEN
BEI ALLEN UNARTEN AN DAS GUTE GLAUBEN
ICH GLAUBE AN DICH! WAS EIN VATER BEDEUTEN KANN
ERINNERUNGEN SÄEN
Meditation: tiefer gehen – höher steigen

  

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