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Die Berge – Bild für das Auf und Ab unseres Lebens und für den Versuch, sich selbst und Gott Schritt für Schritt näher zu kommen.

 

Nie vergessen werde ich den Blick aus dem gardinenverhangenen Fenster unseres Silberpfeils auf die mir riesig erscheinenden Berge entlang der Brenner-Autobahn in Richtung Süden – neben mir meine noch schlafenden Geschwister in dem zum Liegeplatz umfunktionierten Kofferraum, unsere Eltern vorn am Steuer und auf dem Beifahrersitz. In der Morgendämmerung rollten wir durch eine imposante Alpenkulisse: Sie hat seither an Anziehungskraft für mich nichts eingebüßt.

 

"Warum soll ich die Berge hinauflaufen, wenn ich nachher bloß wieder runterlaufen muss?" Die Begeisterung meiner Geschwister für Bergurlaube hielt sich in Grenzen, trotz von unserem Vater eigenhändig gezeichneter Urkunden als Belohnung für durchgestandene Wanderungen und mühsam erkämpfte Gipfel. Meine jugendliche Euphorie indes war nicht zu bremsen: Ich verschlang abenteuerliche Berichte von gewagten Expeditionen im Himalaja, kannte alle Achttausender in- und aus wendig – wogegen sich meine gelegentlichen wirklichen Touren recht bescheiden ausnahmen. Ein geschenkter Klettergurt mit Karabiner gehörte neben einem Abonnement der Zeitschrift "Der Bergsteiger" zu meinen sorgfältig gehüteten Schätzen.

 

Den eigenen Vorstellungen Raum geben

"Jeder Mensch hat eine Landschaft, in die er gehört." Dieser Ausspruch der Schriftstellerin Christine Brückner um reißt das, was seit jenem Blick aus dem Fenster unseres Silberpfeils für mich Gestalt angenommen hat. Es sind die Berge, zu denen ich mich hingezogen fühle, die "meine" Landschaft sind. Viele Berührungspunkte gibt es zwischen ihnen und meiner Biographie. Einer Initialzündung glich mein Entschluss dem Familienurlaub zwei Wochen Jugendfreizeit im Gebirge vorzuziehen und fortan eigenen Vorstellungen mehr Raum zu geben. Wanderjahre folgten. In ihnen lernte ich die Besonderheiten verschiedenster Gipfel und Höhenzüge kennen und wertschätzen – allein und in Gemeinschaft mit Kommilitonen, Freunden, mit meinem Mann und inzwischen auch mit unseren beiden Kindern.

 

So verschieden die Berge sind, so verschieden sind auch die Erlebnisse: Mal gelingt es mir mit Leichtigkeit die vielen Höhenmeter zu überwinden. Dann wieder komme ich kaum voran, finde nicht meinen Schritt. Der Weg erscheint unendlich lang, zu steil und zu ausgesetzt. Manchmal kehre ich um, enttäuscht darüber, nicht am Ziel angelangt zu sein. Ganz oben zu stehen ist unbeschreiblich: die Anstrengungen zu vergessen, die Aussicht zu genießen und sich am Mittelpunkt der Welt zu fühlen – und manchmal auch Gott ein Stück näher.

 

Gestärkt und im Gleichgewicht

In diesem Auf und Abfinde ich mich wie der – mit all den Höhen und Tiefen meines Lebens. Ich werde konfrontiert mit meiner Fähigkeit und meinem Unvermögen, Grenzen zu überwinden oder mich mit ihnen auszusöhnen. Den Rückweg trete ich anders an, als ich aufgestiegen bin: müde, durstig, und doch gestärkt und wieder im Gleichgewicht. "Jeder Mensch hat eine Landschaft, in die er gehört." Mögen auch unsere Kinder einmal "ihre" Landschaft entdecken, sensibilisiert für ihre Einzigartigkeit und Durchlässigkeit auf den hin, der uns und sie geschaffen hat.

 

 

 



Inhalt
WO DER ALMRAUSCH BLÜHT
VORSICHT GESPRÄCH!
WAS HÄLT UNSERE EHE ZUSAMMEN?
WIEDER MAL BEZIEHUNGSSTRESS?
DICH NEU ENTDECKEN
NICHTS KANN UNS STOPPEN
„MITTEN DRIN“ – EIN INTERVIEW
DER SCHMALE WEG ZUR INNEREN FREIHEIT
„... DASS SIE SICH NICHT SO ALLEIN GELASSEN FÜHLT“
PERSÖNLICHE BEGLEITUNG
DER ERSTE FREUND
IN FREIHEIT SPRINGEN
BEI ALLEN UNARTEN AN DAS GUTE GLAUBEN
ICH GLAUBE AN DICH! WAS EIN VATER BEDEUTEN KANN
ERINNERUNGEN SÄEN
Meditation: tiefer gehen – höher steigen

  

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