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WIEDER MAL BEZIEHUNGSSTRESS?



 

 

Ein Klima schaffen, in dem unsere Beziehung wachsen kann

 

 

Wie jeden Sommer kamen wir auch jetzt wieder körperlich und seelisch ziemlich erschöpft auf die Sommertagung. In diesem Jahr war es irgendwie noch stressiger als sonst, auch in unserer Beziehung. Wir kamen mit der Erwartung, dass Wunder geschehen sollen.

 

Wir hatten am Anfang das Gefühl, dass wir mit so viel Sorgen und Streit im Gepäck hier eigentlich nichts zu suchen haben. Doch dann spürten wir, dass die Schönstattluft uns berührte und gut tat: die Stille des Heiligtums und die Worte der Referenten. Wir hatten das Gefühl, dass sie manches nur für uns sagten. Auf einmal wussten wir, warum wir da waren.

 

Wieder mal Hand in Hand

Am Abend gingen wir wieder mal Hand in Hand spazieren. Es war ein tolles Gefühl, wieder beieinander angekommen zu sein. Am nächsten Tag machten wir uns noch mal auf zu einem Spaziergang zu zweit. Das Gespräch fing eigentlich gut an, aber die Last der Streitereien in unserem Rucksack war wohl noch zu groß. Ein einziges Wort reichte, dass alle Kränkungen und Schmerzen der letzten Monate wieder aufbrachen. Wir verstanden die Worte des anderen nicht. Als wir den Hang hinauf gingen, stieg unser Tempo und die Erregung immer höher. Am Ende gingen uns die Worte aus ...

 

Auf dem Rückweg waren wir stumm und langsam. Tiefe Verzweiflung machte sich im Herzen breit. Wie ist es nur möglich, dass wir uns so wenig verstehen, dass wir nicht wissen, was dem anderen weh tut? Es ist so, als ob wir nicht die gleiche Sprache sprechen.

 

Stumm nebeneinander

Sie:

Es schien mir so verrückt, auf der Tagung zu bleiben. Es kam mir so absurd vor, jetzt ins gleiche Zimmer zu gehen und uns nebeneinander zu legen. Mir schoss alles Mögliche durch den Kopf: "Wie sollen wir es den Kindern sagen, dass wir nach Hause fahren? Sie fühlen sich so wohl hier! Und wann sollen wir aufbrechen? Jetzt um Mitternacht? Oder morgen früh, wo dann jeder sieht, wie wir packen?" Ich hatte keine Kraft zu packen und keine Kraft zu bleiben. Als wir aufs Haus zusteuerten merkte ich, dass ich nicht ins Zimmer gehen konnte. Ich machte eine Kurve und ging den Weg zur Kapelle hinauf. Auf einmal merkte ich, dass er hinter mir her kam. "Warum geht er nicht ins Zimmer?" Ich sinke auf die Bank vor dem Heiligtum – er neben mir. Lange Zeit sitzen wir nur stumm und bitter nebeneinander. Alle Last der vergangenen Monate liegt zwischen uns und wir fi nden keine Lösung. Wir können nichts sagen – wir sitzen nur stumm da.

 

Ich sitze wie gelähmt

Auf einmal kommt mir ein Gedanke in den Sinn: Jetzt fehlen zwei Dinge:

  • Der Kapellchenschlüssel, dass wir rein gehen könnten – aber mein Fuß rührt sich nicht ihn zu holen, mir fehlt die Kraft.
  • Und ich würde mich so danach sehnen, dass er nach meiner Hand greift. Was für eine winzige Bewegung – aber ich kann meine Hand nicht nach seiner ausstrecken.

Ich sitze da wie gelähmt in der Stille. Ich weiß, dass ich in die Kapelle gehen möchte und seine Hand fassen möchte, aber ich kann mich nicht rühren. Ich kann nur sitzen und schweigen und an Maria denken und an den Krug. Die Stille tut jedenfalls gut.

 

Jetzt könnten wir es hören ...

Wie ich aber auf die Stille höre, nehme ich auf einmal ein monotones Summen wahr. Was könnte das sein? Ja richtig, der Lautsprecher. Wahrscheinlich hat man vergessen, ihn auszuschalten. Zuerst tut es mir leid, dass die Stille gestört ist. Meine Stille. Doch dann denke ich auf einmal: Wenn der Lautsprecher eingeschaltet ist, dann kann man draußen hören, wenn drinnen jemand spricht. Und Maria ist drinnen.

 

Das gibt mir ein unglaublich gutes Gefühl: Wenn sie uns jetzt etwas sagen wollte, könnten wir es hören – auch ohne Schlüssel. Und dann geschieht das Wunder: Eine Hand fasst nach meiner Hand. Wir sitzen nicht mehr einsam dort oben. Er fasst meine Hand. Wir gehören zusammen. Es gibt nichts Wichtigeres und Schöneres auf der Welt. Wir sitzen noch lange dort, Hand in Hand, und sagen nichts, denn wir müssen auf den Lautsprecher hören. Eng aneinandergeschmiegt gehen wir ins Zimmer. Wenn ich beten möchte, brauche ich seither nichts anderes zu tun, als den Blick aufs (Haus-) Heiligtum zu werfen oder nur meine Augen zuzumachen, und ich bin wie - der dort bei der Kapelle in der Nacht. Und Maria ist dort. Ich spüre ihre Gegenwart.

 

Zart ihre Hand gefasst

Er:

Als ich auf der Bank saß, hat nur Wut und Ohnmacht in mir getobt. Ich sah keine Lösung für unser Problem. Da habe ich angefangen, zu beten. Das habe ich früher ganz selten getan. Und dann war mir nicht bewusst, was ich tat. Ich habe nur zart die Hand meiner Frau angefasst. Friede hat mich erfüllt. Ich sehe diesen Augenblick als Gnade von oben an, ja als ein Bündnis zwischen Himmel und Erde.

 

 

 



Inhalt
WO DER ALMRAUSCH BLÜHT
VORSICHT GESPRÄCH!
WAS HÄLT UNSERE EHE ZUSAMMEN?
WIEDER MAL BEZIEHUNGSSTRESS?
DICH NEU ENTDECKEN
NICHTS KANN UNS STOPPEN
„MITTEN DRIN“ – EIN INTERVIEW
DER SCHMALE WEG ZUR INNEREN FREIHEIT
„... DASS SIE SICH NICHT SO ALLEIN GELASSEN FÜHLT“
PERSÖNLICHE BEGLEITUNG
DER ERSTE FREUND
IN FREIHEIT SPRINGEN
BEI ALLEN UNARTEN AN DAS GUTE GLAUBEN
ICH GLAUBE AN DICH! WAS EIN VATER BEDEUTEN KANN
ERINNERUNGEN SÄEN
Meditation: tiefer gehen – höher steigen

  

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