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Das Partnergespräch ist ein wesentliches Stilmittel unserer Ehe-Spiritualität, und gleichzeitig merken wir, dass gerade solche wichtigen Dinge von der Routine nicht verschont sind. Wie gelingt es uns, die Routine zu beseelen?

 

 

In einer Großstadt liefen die sehr erfolgreichen Musicals "Cats" und "Elisabeth", und doch hat man sie nach etwa drei Jahren vom Spielplan abgesetzt. "Es ist den Schauspielern nicht zuzumuten, dass sie mit der Begeisterung einer Premiere das zum tausend und soundso vielten Male auf führen." Das geht einfach nicht, weil die Seele müde wird. Man braucht eine schöpferische Pause, und danach kann man wieder ansetzen. Auch beim Partnergespräch kann ein Neuansatz Wunder wirken.

 

Pater Kentenich hat das beobachtet und in die Worte gegossen: Der Geist schafft die Form, und die Form frisst den Geist auf. So stellt sich immer wieder neu die Frage:

 

Wie gelingt es uns, die Routine zu beseelen?

Wie gelingt es uns, das Herz in etwas hineinzugeben, das uns nun eigentlich nicht mehr herausfordert? Václav Havel hat einmal in einem Interview nach seiner Zeit als Präsident gesagt: "Das war das Reizvolle, sich über eine Aufgabe drüber zu trauen, bei der man nicht genau wusste: Schaffe ich sie, oder schaffe ich sie nicht?"

 

Weder über- noch unterfordern

Die bekannte Stresskurve läuft ja nicht einfach linear. Der subjektiv empfundene Stress wächst nicht linear mit der objektiven Belastung, sondern Unterforderung ist genauso stressig wie totale Überforderung. Wenn wir den Zusammenhang zwischen Stress und objektiver Belastung graphisch darstellen wollen, dann müssen wir eine Parabel zeichnen. Unten am Scheitelpunkt ist der geringste Stressfaktor. Das ist der Raum der Herausforderung zwischen Unter- und Überforderung. Und die Kunst besteht genau darin, die Lebensumstände, soweit möglich, so zu steuern, dass man in diesem Bereich der Herausforderung bleibt.

 

Elternfalle: Was haben wir bloß falsch gemacht?

Bei den alten "Ehe-Hasen" läuft es eher so, dass wir uns unterfordern, weil wir tolerant geworden sind, weil wir barmherzig geworden sind, zu den 20 Fimmeln "Ja" sagen und so in der Partnerschaft den Wärmetod der Harmonie sterben. Aus dem Grund ist es wohl gut, dass wir auch schauen: Wo gibt es denn für uns die neuen Herausforderungen? Für viele Jahre sind ja die Kinder die Herausforderung schlechthin, man hat ständig irgendetwas zu klären. Kinder sind keine Maschine. Sie überraschen uns immer mit irgendetwas. Manchmal entwickeln sie sich, wie man sich das nicht gerade erhofft hat. Dann ist die ganz gefährliche Elternfalle diese Frage: "Was haben wir denn bloß falsch gemacht?" Und da gibt es manche, die reiben sich regelrecht wund und machen sich unglücklich ohne zu berücksichtigen: Ich muss Kinder loslassen. Ich kann Frieden finden, indem ich mir sage: Wir haben nach jeweiligem damaligen Wissen versucht, ihnen unser Bestes zu geben. Und mehr können sie eigentlich auch nicht erwarten. Und mehr erwartet auch der liebe Gott nicht.

 

Neue Herausforderungen suchen

Schauen wir einmal auf das Problem bei dem wöchentlichen Partnergespräch. Manch - mal ist das Partnergespräch auch deshalb am Abflauen, weil einer oder beide sich einfach nicht mehr weiterentwickeln. Da dürfen wir wirklich die Gottesmutter bitten: Sorg doch mal dafür, dass es wieder einen neuen Wachstumsschub gibt, dass ich auch wieder interessant werde für meinen Partner.

 

Es kann sein, dass die alten Sachen wie ein altes Musical mal wieder abgesetzt gehören. Wir müssen jetzt einfach mal was anderes machen. Nicht weil wir das nicht gerne machen würden oder weil uns das nicht liegt, sondern weil wir merken, es wird seelenlos, wir können es nicht mehr beseelen. Dann sind solche neuen Herausforderungen eine Gelegenheit, frischen Wind rein blasen zu lassen. Dazu gehört auch, dass wir genug darauf achten, dass jeder für sich gut weiter wächst.

 

Mehr Freude am Partnergespräch

Es kann ganz unterschiedliche Gründe haben, warum einem die Freude abhanden gekommen ist am Partnergespräch, und je nachdem, woran es liegt, muss man auch entsprechend gegensteuern.

  • Mehr für mich tun:
    Bei einer Familientagung meinte eine Frau: Weil ich meinen Mann beschenken will, muss ich mehr für mich tun.
  • Rollentausch: Manche Paare machen wenigstens stundenweise einen Rollentausch, dass man die Arbeiten des anderen mal erkennt und merkt, wie schwierig das ist. Dann kann man wieder aus eigenem Erleben das neu schätzen. Als Dauerlösung ist das uneffektiv, weil es zu viel Energie kostet und zu wenig Ergebnis bringt.
  • Neue gemeinsame Aufgaben können eine ganz eigene Dynamik in der Partnerschaft bewirken. Das erleben zum Beispiel viele Paare, wenn sie in der Familienakademie einen Vortrag über ihr Lieblingsthema ausarbeiten.

 

Als wäre es das einzige Mal

Ich habe einmal in einer Sakristei einen Spruch gelesen, der auf dem Ankleidetisch vom Priester stand: Als wäre es das erste Mal, als wäre es das letzte Mal und als wäre es das einzige Mal. Ich habe den Eindruck, dass diese Ermunterung, sich wirklich ganz hineinzugeben in das, was ich jetzt tue, auch gilt für das Partnergespräch, auch für die eheliche Vereinigung. Dann nutze ich die Chance, bei aller Routine das Du neu zu entdecken. 

 

 



Inhalt
WO DER ALMRAUSCH BLÜHT
VORSICHT GESPRÄCH!
WAS HÄLT UNSERE EHE ZUSAMMEN?
WIEDER MAL BEZIEHUNGSSTRESS?
DICH NEU ENTDECKEN
NICHTS KANN UNS STOPPEN
„MITTEN DRIN“ – EIN INTERVIEW
DER SCHMALE WEG ZUR INNEREN FREIHEIT
„... DASS SIE SICH NICHT SO ALLEIN GELASSEN FÜHLT“
PERSÖNLICHE BEGLEITUNG
DER ERSTE FREUND
IN FREIHEIT SPRINGEN
BEI ALLEN UNARTEN AN DAS GUTE GLAUBEN
ICH GLAUBE AN DICH! WAS EIN VATER BEDEUTEN KANN
ERINNERUNGEN SÄEN
Meditation: tiefer gehen – höher steigen

  

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