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IN FREIHEIT SPRINGEN



 

 

Unser Sohn wollte sich zu einem Einsatz im Kriegsgebiet verpflichten. Ihn lockten Geld und Abenteuer. Wir kämpften mit uns, ihn loszulassen ...

 

 

Geld und Abenteuer

Nach dem Abitur ist unser Sohn Michael zur Bundeswehr gegangen, um seinen Wehrdienst bei den Fallschirmspringern abzuleisten. Am Ende der Grundausbildung trat der Hauptmann seiner Kompanie an die jungen Männer heran und machte ihnen ein verlockendes Angebot: "Wer sich für 23 Monate bei der Bundeswehr verpflichtet, erhält eine Prämie von 15.000 Euro, muss allerdings innerhalb dieser Zeit mit mir für vier Monate ins Kriegsgebiet nach Afghanistan gehen."

 

Nachdem sich drei Soldaten seiner Stube für die Verpflichtung entschieden hatten, teilte auch unser Sohn uns am Küchentisch mit, dass er das Angebot seines Hauptmannes annehmen und mit ihm nach Afghanistan gehen wolle. Ihn lockte das Geld und das Abenteuer.

 

Wir waren geschockt

Als Eltern sieht man eine solche Entscheidung eben doch aus einer anderen Perspektive. Nach reiflicher Überlegung haben wir uns dazu durchgerungen, nicht zu versuchen, ihn mit aller Gewalt davon abzubringen. In der Pädagogik Pater Kentenichs ist die Freiheit eines der obersten Erziehungsprinzipien. Ganz langsam haben wir durch ihn im Laufe der Jahre immer mehr gelernt, unsere Kinder in die Eigenständigkeit zu entlassen.

 

Wir haben Michael in einem langen Gespräch unsere ernsthaften Bedenken dargelegt und ihn gebeten, sich mit jemandem in Verbindung zu setzen, der als Soldat in Afghanistan gewesen ist. Letztlich überließen wir ihm aber die alleinige Entscheidung. Ob dies richtig war? Wir wussten es nicht. Ich dachte an Pater Kentenich im KZ Dachau. Für wie viele Menschen ist er dort zum Segen geworden. Wollte der liebe Gott vielleicht auch unseren Michael in Afghanistan haben? Hatte er dort vielleicht auch eine Aufgabe für ihn, die nur er erfüllen konnte?

 

Den Himmel wagen

Mir blieb das Hausheiligtum als Zufluchtsort und wie so oft war ich auch in dieser schwierigen Zeit überglücklich, dass der liebe Gott uns Schönstatt und Pater Kentenich als Wegbegleiter und Vorbild hat kennenlernen lassen. An seiner Hand konnten wir "den Himmel wagen" und Michael in Freiheit wählen lassen. Irgendwann nach ungefähr zwei Monaten teilte Michael uns mit, dass er sich entschieden habe, doch nicht nach Afghanistan zu gehen.

 

Wir waren überglücklich. Wir hatten nicht mehr damit gerechnet. Michael ist der Älteste und war immer der Rebell in unserer Familie. Ich bin fest davon überzeugt, dass er nach Afghanistan gegangen wäre, wenn wir versucht hätten, ihn davon abzuhalten.

 

Ich "zersorge" mich nicht mehr

Abschluss und Höhepunkt von Michaels Fallschirmspringerausbildung war der Sprung aus 1.200 m Höhe aus der Transall. Ich freute mich mit ihm, dass er als Wehrdienstleistender diese Chance bekommen hat. Sie war nur zwei Soldaten seines Zuges vergönnt.

 

Ich sorge mich immer noch um unsere Kinder, aber ich "zersorge" mich nicht mehr, ich habe schon lange nicht mehr diese lähmende Angst um sie. Jeden Morgen lege ich sie der Gottesmutter ans Herz. Die Gewissheit, dass sie sorgt, wo ich es nicht kann, schenkt mir eine große innere Gelassenheit.

 

 

 



Inhalt
WO DER ALMRAUSCH BLÜHT
VORSICHT GESPRÄCH!
WAS HÄLT UNSERE EHE ZUSAMMEN?
WIEDER MAL BEZIEHUNGSSTRESS?
DICH NEU ENTDECKEN
NICHTS KANN UNS STOPPEN
„MITTEN DRIN“ – EIN INTERVIEW
DER SCHMALE WEG ZUR INNEREN FREIHEIT
„... DASS SIE SICH NICHT SO ALLEIN GELASSEN FÜHLT“
PERSÖNLICHE BEGLEITUNG
DER ERSTE FREUND
IN FREIHEIT SPRINGEN
BEI ALLEN UNARTEN AN DAS GUTE GLAUBEN
ICH GLAUBE AN DICH! WAS EIN VATER BEDEUTEN KANN
ERINNERUNGEN SÄEN
Meditation: tiefer gehen – höher steigen

  

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