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KONZEPT NACH JOSEF KENTENICH: FÜHRUNGSKOMPETENZ



 

 

 

Im Konzert der vielen Führungsseminare zeigt sich das Konzept Josef Kentenichs mit vielen Parallelen, aber auch mit eigener Besonderheit. Uta und Joachim S. sind dem nachgegangen.

 

 

Das Thema "Leadership" boomt. Seminare zum Erlernen von Führungskompetenz sprießen wie Pilze aus dem Boden. Offenbar sind "High Potentials" und "Entscheider" bereit, viel Geld für den Erwerb entsprechender Zertifikate auszugeben: Der fünf Wochenendveranstaltungen umfassende Kurs der Universität St. Gallen etwa kostet 19.300 Franken. Dabei fällt es oft schwer, den Weizen seriöser Anbieter von der Spreu selbsternannter Coaches und Pseudo-Experten zu trennen. Führungskompetenz setzt sich im Wesentlichen aus drei Kernbereichen zusammen:

 

 

Fachkompetenz

Wer eine Leitungsposition verantwortlich wahrnehmen will, sollte vom Fach etwas verstehen. Dieses Fachwissen wiederum be - steht einerseits aus der inhaltlichen Sachkunde und der formalen Methodenversiertheit. Ein Chef, der wenig Ahnung von dem hat, was seine Mitarbeiter tun, wird nur schwer als Autorität anerkannt werden.

 

 

Selbstkompetenz

Eine Führungskraft wird umso mehr respektiert, je stärker sie als Persönlichkeit wirkt. Dies setzt ein hohes Maß an Selbstreflexion und Selbsterziehung voraus. "Selbstkompetent ist eine Person, die sich ihrer eigenen Möglichkeiten und Grenzen bewusst ist, das eigene Denken, Fühlen und Handeln reflektiert, sich eigene Ziele setzt und Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft mobilisieren kann", so F. Berger.

 

Sozialkompetenz

Wo Mitarbeiter die Handlungsziele des Vorgesetzten sich zu eigen machen, ist Führung gelungen. Dies verlangt von der Führungsperson, die Einstellungen und Werte des Gesamtteams und seiner einzelnen Mitglieder wahrzunehmen und daran motivierend und inspirierend anzuknüpfen, sodass daraus eine gemeinsame Handlungsorientierung resultiert. Wo Fach-, Selbst- und Sozialkompetenz zusammenkommen, nennt man den sich daraus ergebenden Synergieeffekt "Führungskomptenz". Josef Kentenichs Ansatz zur Formung starker Führungspersönlichkeiten berücksichtigt von Anfang an alle drei Kompetenzfelder.

 

Intensiv studieren

Im Vortrag vom 18. Oktober 1914 fordert er den "denkbar höchsten Grad standesgemäßer Vollkommenheit". Damit ist nicht nur, wie er bereits in einer Vortragsreihe von 1912/13 ausführt, ein aszetisches und religiöses Streben gemeint, sondern zur "standesgemäßen Vollkommenheit" gehört genauso der Erwerb von Fachkompetenz: P. Kentenich fordert seine Zuhörer auf, so intensiv wie möglich zu studieren, damit sie später als Seelsorger gerüstet sind, Menschen zu führen. Zugleich macht er auf einen spirituellen Grund aufmerksam, warum jede Art von Wissenserwerb zu begrüßen ist.

 

Wer sich Wissen und Fachkunde aneignet, vervollkommnet sich nicht nur als Mensch, sondern taucht damit auch ein in Gott. So fasst J. Kentenich mit einer stillschweigenden Anspielung auf 1 Kor 12,1 den Gedanken zusammen: "Das Studium wird uns fördern in der Erkenntnis und Liebe und damit in der Ähnlichkeit Gottes. Das Studium wird für uns wahrer, echter, vernünftiger Gottesdienst sein."

 

Mich selbst entwickeln

Selbstkompetenz im Sinne von Selbstreflexion und Selbsterziehung war eines der wichtigsten Anliegen des Pädagogen Josef Kentenich. Schon in seinem Programm, das später als "Vorgründungsurkunde" der Schönstattbewegung bezeichnet wurde, wird Selbsterziehung als "ein Imperativ der Zeit" erläutert.

 

Bemerkenswert ist, dass nach Kentenich Fach- und Selbstkompetenz Hand in Hand gehen müssen: "Der Grad unseres Fortschritts in den Wissenschaften muss der Grad unserer inneren Vertiefung, unseres seelischen Wachstums sein." Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte entwickelt Josef Kentenich ein umfangreiches konzeptionelles und praktisches Tool-Set (wie man heute im Leadership-Jargon sagt) zur Erlangung, Weiterentwicklung und Sicherung der Selbstkompetenz. Im Mittelpunkt steht dabei die Auffassung vom Persönlichen Ideal. Selbstkompetenz zielt auf die Verwirklichung des eigenen Selbst, nämlich jener individuellen "Ur-Idee" Gottes, die in jeder Einzelpersönlichkeit grundgelegt ist.

 

Menschen entwickeln und fördern

Die handlungsleitende Vorstellung einer zu verwirklichenden göttlichen Idee gilt aber nicht nur für das Individuum, sondern auch für Gruppen und Gemeinschaften. Das ist der Ansatzpunkt für die Sozialkompetenz. Die selbstkompetente Führungspersönlichkeit versucht auch, in ihren Mitarbeitern – sowohl als Individuen wie als Gemeinschaft – den Plan Gottes "herauszulesen" und in diesem Sinne Leitungsverantwortung wahrzunehmen.

 

Das Besondere der Leadership-Vision Kentenichs

Zu den Besonderheiten der Leadership-Vision Josef Kentenichs gehört die Rückbindung aller drei Grundkompetenzen an ein transzendentes Prinzip: Fachkompetenz zielt darauf, Gott im Wissen ähnlich zu werden, Selbstkompetenz strebt nach Realisierung des gottgeschenkten Persönlichen Ideals und Sozialkompetenz betrachtet den Einzelnen und die Gruppe als verwirklichten Gotteswunsch mit je spezifischem Sendungsauftrag. Diese dreifache Rückbindung an Gott eröffnet eine Sinndimension, die handelsübliche Führungskompetenz- Seminare eher selten in den Blick nehmen. Eine gängige Antwort auf die Frage: Warum soll ich denn eigentlich meine Fach-, Selbst- und Sozialkompetenz vervollkommnen? lautet: Um auf diese Weise die Ziele des Unternehmens besser umzusetzen. Eine solche Antwort, die den Sinn von Führung lediglich in einem systemimmanenten Ziel, wie etwa der Gewinnsteigerung, sieht, kann dann nicht mehr befriedigen, wenn das System selbst in eine Sinnkrise gerät.

 

Alles hat einen anderen Sinn

Warum soll ich mich für Unternehmensziele engagieren, wenn mich das Unternehmen selbst jederzeit übergehen, zurücksetzen oder sogar entlassen kann? Wenn nicht ich selbst zähle, sondern nur meine Performance? Wenn mir trotz verlockender Incentives durch stetig gesteigerten Leistungsdruck klar gemacht wird, dass ich jederzeit ersetzbar bin? Kentenichs Rückbindung aller Kompetenzfelder an einen systemtranszendenten Maßstab, den göttlichen Willen, eröffnet einen übergreifenden Sinn, der auch in innerbetrieblichen Krisensituationen zugleich entlastend und motivierend wirken kann: Im Letzten geht es um die Verwirklichung der Pläne Gottes.

 

 

Dass man Führungskompetenz in ihren drei Dimensionen lernen kann, erklärt J. Kentenich gegenüber Alex Menningen. Die aufgezählten Punkte lassen sich unschwer den drei Kompetenzfeldern zuordnen:

 

  • Führung eines Innenlebens und Betrachtung steigern die Selbstkompetenz,
  • Zusammenschau letzter Wahrheiten ist der Gipfel der Fachkompetenz,
  • Seelenleitung und Geöffnetsein für fremde Art und Unart fallen in die Sozialkompetenz.

 

Der Kulminationspunkt aber, in dem die Führungspersönlichkeit ihre Vollendung findet, ist die Grundhaltung der Liebe: "Kommt eine tiefe Liebe zum Gegenüber hinzu, so ist die rätselhafte Kunst schnell gelernt."

 

 



Inhalt
SOZIALKOMPETENZ: DU BIST MIR WICHTIG
FACHKOMPETENZ: ICH WEISS, WAS DU EIGENTLICH KANNST
SELBSTKOMPETENZ: SANDWICHPOSITION ZWISCHEN CHEF UND MITARBEITERN
ZUR SELBSTKOMPETENZ FÜHREN: GOTTES IDEE VON DIR – KINDER ZU SICH SELBST FÜHREN
ALS EHEPAAR IN FÜHRUNG: GEMEINSAM SIND WIR STÄRKER
KONZEPT NACH JOSEF KENTENICH: FÜHRUNGSKOMPETENZ
FÜHRUNGSKUNST KANN MAN LERNEN
IHRE HERZEN HABEN FEUER GEFANGEN ...
MEIN STIL
WERDE, WAS DU BIST
KRAFTQUELLE, DIE ZURÜCKFLIESST
BEWEGUNG FÜR DIE HERZEN
BLITZLICHT AUS DER WERKSTATT
WARTEN ...
MUTTER-SOHN-BEZIEHUNG: INNIG UND FREI
Meditation

  

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